Private Cloud mit dem Synology NAS

Meine 2 Synology NAS DS213+ und DS112+ sowie eine 5TB-Backup-USB-Festplatte.

Meine 2 Synology NAS DS213+ und DS112+ sowie eine 5TB-Backup-USB-Festplatte.

Der „Cloud Station Server“ macht die Synology NAS zur privaten Cloud

Nachdem  der Versuch mit Lima, eine private Cloud zu Hause selbst zu betreiben, enttäuschend war, habe ich nach einer Alternative gesucht. Und gefunden! Auf meiner Synology Diskstation DS213+ habe ich den „Cloud Station Server“ installiert. Nach ca. 2 Wochen Testphase war ich restlos überzeugt. Endlich konnte ich meine private Cloud realisieren. Meine Abos bei Dropbox und OneDrive habe ich zwischenzeitlich gekündigt!

Client-Software für alle gängigen Betriebssysteme

Die Synology Cloud Station arbeitet schnell und vor allem sehr zuverlässig! Bereits nach wenigen Sekunden, nachdem eine Datei neu gespeichert oder geändert wurde, reagiert die Software und beginnt mit der Synchronisation. Die Client-Software gibt es für alle gängigen Desktop- und mobilen Betriebsysteme, also Windows, Mac, Ubuntu, Fedora, Android, iOS und Windows Phone. Die Synology Software nennt sich „Cloud Station Drive“ für die Desktop- bzw. „DS Cloud“ für die mobilen Betriebssysteme.

Mit Quickconnect einfacher Zugriff über Internet

Auch der mobile Zugriff auf die Daten über das Internet ist durch den kostenlosen Synology DynDNS-Dienst „Quickconnect“ problemlos möglich. Der Büro-PC an meiner Arbeitsstelle wird darüber und mit Cloud Station Drive gesynct wie auch der Zugriff über iPhone und iPad mittels DS file.

Unter iOS „DS file“ statt „DS cloud“

Leider gibt es auf den mobilen Geräte einen Haken: Daten, die gesynct werden sollen, müssen auf dem Gerät gespeichert werden (wie am PC)! Ich habe das zunächst gar nicht richtig zur Kenntnis genommen. Erst als ich merkte, dass mein iPhone-Speicher voll lief, wurde mir das Prinzip klar. Auf dem iPhone und iPad habe ich die Apps deshalb wieder deinstalliert. Aber Synology bietet einen adäquaten Ersatz: „DS file„. Diese App zeigt die Dateien an, ohne, dass sie heruntergeladen werden müssen. Erst, wenn sie geöffnet werden, werden sie temporär heruntergeladen. Eine permanente Offline-Vorhaltung ist natürlich auch möglich. DS file ist noch am ehesten mit Apps von Dropbox und OneDrive vergleichbar.

Ein kleiner Nachteil: bei DS file fehlt der Öffnen-mit-Dialog

Einen kleinen Nachteil besitzt DS file allerdings noch: unter iOS fehlt der Öffnen-mit-Dialog, d.h. ein Öffnen der Datei in einem anderen Programm auf direktem Wege von DS file aus ist leider nicht möglich. Es sei denn, die Datei wurde vorher heruntergeladen. Ist die Datei offline auf dem Mobilgerät gespeichert, erscheint auch der Öffnen-mit-Dialog.

Ersatz: Speicherort DS file

Aber auch dafür habe ich Ersatz gefunden: statt mit DS file öffnet man die Datei innerhalb der anderen App. Als Speicherort wählt man dort iCloud > Speicherorte > Mehr. Nun wird als Speicherort auch „DS file“ aufgelistet und man kann den Ordner wählen und die Datei öffnen. Diesen Weg nutze ich ständig mit PDF Expert, Excel, PowerPoint und Word.

Zentrale Datenablage, Ausfallsicherheit und Backup

Nachdem ich auch nach mehreren Wochen immer noch zufrieden mit der Cloud Station-Lösung bin, habe ich mich entschlossen, mein System aufzurüsten und zu erweitern. Bisher hatte ich fast nur Videos und Musik auf meiner Synology gespeichert. Dafür reichten 2TB Speicherplatz locker aus. Die anderen Daten, ca. 1TB, waren auf diversen internen und externen Festplatten verteilt.

Das neue System sollte mir mehrere, schon lange gehegte Wünsche erfüllen:

  1. Alle Daten sollen bei mir zu Hause an einem zentralen Speicherort vorgehalten werden.
  2. Der Zugriff auf die Daten über das Internet mit Desktop-Rechnern sowie iPhone und iPad muss mit akzeptabler Performanz möglich sein.
  3. Sämtliche Daten sollen gegen einen Festplattenausfall in der Synology NAS geschützt sein.
  4. Die „dynamischen“ Daten müssen gegen versehentliches Löschen bzw. Ändern geschützt sein.
  5. Meine Daten sollten auch dann noch geschützt sein, wenn das NAS-System an sich kaputt geht.

Mein erweitertes Netzwerkkonzept

Mein neues Netzwerkkonzept mit 2 Synology NAS DS213+ und DS112+ sowie mit Backup auf eine 5TB-USB-Festplatte.

Mein neues Netzwerkkonzept mit 2 Synology NAS DS213+ und DS112+ sowie mit Backup auf eine 5TB-USB-Festplatte.

Meine Lösung sieht zwischenzeitlich so aus:

  1. Damit alle Daten auf der Synology NAS Platz untergebracht werden können, habe ich die zwei 3TB-Festplatten in der DS213+ gegen zwei 6TB-Festplatten ausgetauscht. Ich entschied mich wieder für die „red“ von Western Digital, die für den Einsatz in einer NAS optimiert ist.
    Die Übertragung der Daten verlief reibungslos. Zuerst wurde nur 1 Festplatte ausgetauscht. Nach dem Einsetzen muss lediglich das Programm zur „Reparatur“ gestartet werden. Die „Reparatur“ dauerte bei der 6TB-großen Festplatte etwa 46 Stunden. Danach wurde die zweite Platte gewechselt und ebenfalls repariert. Dies benötigte sogar ca. 52 Stunden. Danach wurden beide Platten automatisch von 3TB auf ihre volle Größe 6TB erweitert. Das ging mit knapp 4,5 Stunden deutlich schneller. Über 4 ganze Tage wurde ich also auf die Folter gespannt. Aber jetzt habe ich genug Platz, um alle meine derzeitigen und hoffentlich auch zukünftigen Daten an einem zentralen Speicherort zu lagern.
  2. Der Zugriff über das Internet ist mit dem Einrichten eines Quickconnect-Accounts sehr einfach möglich. Qickconnect ist im Prinzip nichts anderes als ein kostenloser dynamischer DNS-Dienst von Synology direkt. Witzigerweise bekommt man eine Domain mit der Endung .to, also vom Inselreich Tonga, zugewiesen.
    Damit der Upload der Dateien von der NAS ins Internet schneller vonstatten geht, habe ich meinen Kabel-Tarif-Vertrag upgegradet. Ich wechselte von meinem sechs Jahre alten Kabel BW „Cleverkabel 25“-Vertrag mit 25Mbit/s Download bzw. 1Mbit/s Upoad zum neuen Unitymedia Kabel-Tarif „2 play Comfort 120“ mit 120Mbit/s Download und 6Mbit/s Upload. Einen Performance-Unterschied zu Dropbox und OneDrive kann ich dadurch nicht mehr feststellen. Ich bin sehr zufrieden mit der Uploadgeschwindigkeit. Die 6 Mbit/s werden fast immer erreicht. Beim Download sieht es allerdings anders aus. Da komme ich bis jetzt maximal auf etwa 70Mbit/s statt der anvisierten 120Mbit/s.
  3. Damit meine Daten bei einem Festplattencrash nicht verloren gehen, habe ich gleich zu Beginn beim Einrichten der DS213+ die beiden Festplatten zu einem SHR RAID-Verbund (Synology Hybrid RAID) zusammen geschlossen. Dies ist ein von Synology bezüglich der Speicherkapazität optimierter Verbund, der einem herkömmlichen RAID1 entspricht. D.h. der Inhalt der einen Platte wird auf die andere gespiegelt. Fällt eine Platte aus, kann man ohne Unterbrechung weiterarbeiten. Es muss lediglich die defekte Platte gegen eine neue ausgetauscht werden.
  4. Unter meinen Daten befinden sich ca. 270GB Daten, die ich ständig „in Bewegung“ halte. D.h., es kommen neue hinzu, alte werden gelöscht oder verändert. Ich nenne diese Daten meine „dynamischen“ Daten. Dateien wie Videos, Musik, Fotos bleiben eher fix und werden nur „gesammelt“. Da ich im Alltag auch schon mal was versehentlich gelöscht und geändert habe, wollte ich beim neuen System eine regelmäßige, automatische Datensicherung einrichten. Das Backup soll nur meine „dynamischen“ Daten sichern. Das Backup von fixen Daten ist unnötig. Dadurch verbrauche ich weniger Speicherplatz und der Backupvorgang geht schneller.
    Auch dafür hat Synology etwa im Fundus: Hyper Backup. Eine prima Backup-Software (ähnlich wie Time Machine auf Macs, nur zuverlässiger), das zahlreiche individuelle Einstellmöglichkeiten bietet. Die Backup-Intervalle sind ganz individuell von Minuten über Stunden bis hin zu Monaten einstellbar. Sollte der Speicherplatz knapp werden, sorgt ein intelligenter Algorithmus dafür, dass ältere Daten zugunsten von neuen gelöscht werden und so weiter gesichert werden kann. Wichtig für mich ist, dass ich einzelne Dateien oder Ordner wiederherstellen kann.
    Die dynamischen Daten lasse ich auf einer 5TB-USB Festplatte sichern. Ich habe die genommen, die ich eigentlich für die Lima-Lösung gekauft habe, also die Western Digital Elements Desktop. Diese besitzt einen eigenen Stromanschluss.
  5. Tja, und da nicht nur mal eine NAS-Festplatte, sondern auch die komplette NAS abrauchen kann, wollte ich auch dafür eine Absicherung. Ich habe mir deshalb bei ebay eine weitere, allerdings gebrauchte Synologiy-NAS günstig ersteigert. Ich wählte ein Modell mit nur 1 Festplatte. Ich konnte immerhin ein Plus-Modell, die Synology DS112+, ergattern. Auch diese habe ich mit einer 6TB-Platte bestückt.
    Auf der DS112+ habe ich lediglich das Softwarepaket „Cloud Station Share Sync“ installiert und eingerichtet. Mittlerweile sind alle Daten, also die dynamischen und die fixen, auf die „kleine“ NAS 1:1 übertragen. Diese werden ständig durch Synchronisation mit der Cloudstation aktuell gehalten. Sollte die DS213+ irgendwann Mal kaputt gehen, kann ich somit sofort mit der DS112+ weiter arbeiten.

Ich hoffe, dass mein Konzept aufgeht und sich bewährt. Bis jetzt bin ich jedenfalls sehr zufrieden mit meiner Lösung.

6 Gedanken zu „Private Cloud mit dem Synology NAS

  1. Hallo Skybert,
    sei gegrüßt. Ich bin ähnlich wie du unterwegs. Nur warum bevorzugst Du das Hyper Backup? Ich mache aktuell 2 x wöchentlich ein Backup per Time Machine auf ein zweites NAS das ich entsprechen Zeitgesteuert ein und ausschalte.
    Eine Ausfallsicherung für das Haupt-NAS habe ich nicht umgesetzt. Hier habe ich mich auf SRH Raid und das Backup verlassen. So fehlen mich bei einem evtl. Crash Max. 3 Tage der Daten.

  2. Hallo Skybert,
    ich habe aufgrund Ihrer sehr guten Beschreibung ebenfalls ein Backup meiner wichtigsten Daten von der DS215j mit Hyper Backup vorgenommen. Bei 400 MB dauert das bei mir ca. 8 h. Ist das bei Ihnen auch so langsam?

    Mir erscheint es so, dass Hyper Backup immer vollständige Backups erstellt und keine inkrementellen. Wie sind hier Ihre Erfahrungen? Somit für eine tägliche Sicherung kaum zu gebrauchen. Haben Sie hier eventuell spezielle Einstellungen vorgenommen?

    Danke für einen Tipp an einen Newbi

    Schöne Grüße aus dem Sauerland

  3. „Mittlerweile sind alle Daten, also die dynamischen und die fixen, auf die „kleine“ NAS 1:1 übertragen“.
    Ist damit die Datensicherung, nur für „dynamische Daten“ auf die WD Elements überflüssig geworden…?

  4. Nein! Datensicherung auf WD = Backup. Backups sind inkrementelle, tägliche Sicherungen, die gegen „menschliches Versagen“, also z.B. versehentliches Löschen oder unbedachtes Bearbeiten schützen sollen. Man kann in Hyperbackup wie in einer Zeitleiste von Backup zu Backup zurückspulen und jeden beliebigen Dateistatus wiederherstellen.

    Die 2. NAS dient dazu, dass mein System vor einem Totalausfall der Haupt-NAS geschützt wird. Wenn die DS213+ ausfällt (Controller defekt, Mainboard/Prozessor defekt, Kurzschluss etc.), dann kann ich nahtlos mit der „kleinen“, 2. NAS DS112 weiterarbeiten.

    Das RAID1 in der DS213+ schützt vor einem Festplattendefekt. Geht eine Platte kaputt, läuft die NAS nahtlos mit der 2. Platte weiter, da diese die Daten gespiegelt enthält.

    Wovor ich noch nich geschützt bin, ist vor Feuer, Erdbeben, Diebstahl oder sonsitige Katastrophen. Wenn ich das haben möchte, müsste ich die 2. NAS und die Backup-Festplatte an einem komplett anderen Ort aufstellen.

    LG
    Bertram

  5. Bertram, danke für Deine Gedanken zu meiner laienhaften Frage!

    Weshalb sicherst Du nicht von der Haupt-NAS (DS213+), mittels Hyperbackup, direkt auf die 2. NAS (DS 112+) ?
    Du hättest damit ein inkrementelles Backup und könntest auf die WD verzichten, das lässt sich doch so machen, oder…

    • Würde wahrscheinlich funktionieren, aber…
      Die CloudStation synchronisiert SOFORT bei einer Veränderung. Und das rund um die Uhr.
      Hyperbackup nur 1x in der Nacht. Bei einem Totalausfall der Haupt-NAS würde das bedeuten, dass ich einen Datenverlust von bis zu 1 Tag haben könnte.
      Da könnte ich zwar auch einen kürzeren Intervall einstellen, aber das will ich nicht.

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