Das Samsung ATIV PRO Tablett

Ein kurzes Review meiner persönlichen Eindrücke

Präambel

Microsoft hat mit der Einführung von Windows 8 eine Grundlage geschaffen, Tablett Computer mit dem Funktionsumfang eines Desktop Betriebssystems zu schaffen. So hatte ich vor der Anschaffung des Samsung Ativ Pro bereits Gelegenheit, mir an meinem ASUS R1F konvertible Notebook einen Eindruck zu verschaffen, was mich erwarten würde. Allerdings muss man bei einem Review berücksichtigen, was durch die Hardware und was durch die Software bedingt ist.

Die Hardware

Die Ausstattung vom Samsung Ativ Pro Tablett liest sich erst mal beeindruckend. Aktueller Prozessor (iCore5) in Verbindung mit 4GB RAM, 120 GB Solid State Disk und USB 3.0 verspricht Leistung ohne Ende. Das Display mit 11,6 Zoll Durchmesser und 1920×1080 Bildpunkten stellt eine weitere Größe dar. Das gebürstete anthrazit/schwarze Aluminium Gehäuse mit den abgerundeten Kanten stellt einen schönen optischen Abschluss der Konfiguration da. Samsung legt dem Tablett eine Snap In Tastatur bei, die weitere 2 USB Anschlüsse zur Verfügung stellt. Durch die Tastatur wirkt das Gerät dann wie ein Ultrabook.

Die Software

Vorinstalliert ist neben Windows 8 Pro noch eine ganze Reihe an Programmen, die die Benutzung vereinfachen sollen. Wie immer bei vorinstallierten Beigaben kann man diskutieren, ob das sinnvoll ist.

Samsung SW Update Center

So hat man nun zwei Möglichkeiten PDFs anzuschauen: Der integrierte Viewer von Microsoft oder Adobe Reader. Beides entspricht nicht meinem Geschmack, so habe ich den Adobe Reader auch gleich wieder entfernt.

Die Einrichtung und der Alltag

Nun, dieses Schmuckstück begleitet mich durch den Alltag und es ist wie so oft: Manchmal macht es Freude, manchmal treibt es in den Wahnsinn. Manche schwächen kann man nicht nur einem Hersteller zu schreiben. Bei Einrichtung läuft erst mal eine Orgie an Updates, so dass das Gerät effektiv zwei oder mehr Stunden nicht nutzbar ist. Der Softwarecenter von Samsung versucht Updates einzuspielen und ausgerechnet ein Microsoft Paket (Windows 8 Live Hotfixes) verhindert das systematische Einspielen anderer Pakete, so dass diese manuell eingebunden werden mussten. AllShare Play benötigt Zugang zur WebSite http://www.allshareplay.com/ um diese Funktionalität nutzen zu können. Die Dokumentation zum Gerät ist nur minimal, ein Benutzermanual wird als PDF in der Taskleiste angelegt.

Um mich mit Windows 8 vorbehaltlos auseinander zu setzen und die Bedienung schneller zu lernen habe ich bewusst auf die Installation von Classic Shell (http://www.classicshell.net/) verzichtet.

Das Bedienkonzept

Das Bedienkonzept von Windows 8 ist zweiteilig. Der eine Schwerpunkt liegt klar bei der Metro Oberfläche, die im Kacheldesign klar und relativ aufgeräumt wirkt. Die Vorschau auf manches versüßt diese Ansicht und erinnert an Android oder webOS Widgets. So richtig bin ich noch nicht mit dieser Oberfläche warm geworden. Anwendungen sind bildschirmfüllend mit großen Schriften und mehr oder weniger einfachen Fingerbedienungskonzept. Samsung hat eine Reihe seiner eigenen Anwendungen dazu beigesteuert. (z.B. S Note, S Player, S Gallery).

Der zweite Teil des Bedienkonzepts ist die Desktop Ansicht, allerdings ohne Startmenü. Dieses wurde der Umstellung auf Metro geopfert und wenn ich mich oft auch oft über den fehlenden Knopf ärgere, so ist es ein konsequenter Zwischenschritt auf dem Weg zu einem modernen System. Alte Programme funktionieren soweit ich es beurteilen kann wie immer und Office 2010 verrichtet bei mir treu seinen Dienst. Leider ergeben sich (wie bei jedem neuen Windows) Änderungen im Bedienkonzept. Wie komme ich zu Einstellungen, wie in die Netzwerkkonfiguration und so weiter. Hätte ich Classic Shell, so würde ich manches finden aber nicht alles, da z.B. Dinge aus der Benutzersteuerung in eigene Dialoge ausgelagert wurde. Im Desktopmodus sollte man die Tastatur angeschlossen haben, da Maus und Tastenkürzel nur so gut erreichbar sind. Eine der schlechtesten Neuerungen von Windows 8 ist die überarbeitete Bildschirm Tastatur. Warum? Weil sie weder dem neuen, noch dem altem Bedienkonzept Rechnung trägt. Funktionstasten, Alt-Taste sind weggefallen, die Punkttaste steht nur in der Buchstaben Ansicht, die Umschaltung auf Stifteingabe wurde erst nach Nacharbeiten von mir wieder zur Verfügung gestellt. Die Tastatur bedeckt mindestens den halben Bildschirm im Querformat, ist zwar schön groß, aber eben nicht äquivalent zum Desktop Modus. Im Hochformat muss man ständig zwischen Zahlen und Buchstaben hin und her schalten. Das ist meiner Meinung nach für den Alltag ein erheblicher Kritikpunkt an dem MS nachbessern muss oder Drittanbieter eine Chance haben. Ein anderes Problem im Zusammenhang mit Testfeldern / Tastatur hat Skybert schon angesprochen: Die Tastatur erscheint nicht automatisch, wenn man ein Textfeld berührt. Das ist für ein Tablett ein NoGo! Google und Apple (sogar Palm/HP) haben das in der Vergangenheit bereits besser gelöst.

Schwächen und Stärken

Ich arbeite in einer Klinik, wo gerade ein neues Krankenhausinformationssystem (KIS) eingeführt wurde. Um bei Visite am Patientenbett mal eben eine Anordnung zu treffen, war meine Überlegung, dies mit einem Tablett zu tun. Und da die Software des KIS auf dem Desktop läuft, stehe ich vor dem Problem, dass ein Tablett im Hochformat Vor- und Nachteile in der Bedienung hat. Neben den oben angesprochenen Tastatur Problemen ist gerade die Auflösung hinderlich, da Desktop typisch mit steigender Auflösung Schriften und Symbole kleiner werden und somit das System nur noch eingeschränkt Finger-bedienbar ist. Der beigelegte Stift für das im Display integrierte WaCom Tablett rettet da auch nichts, da der Doppelklick nicht sicher erkannt wird. Wo wir gerade bei Schwächen sind: Da Samsung einen iCore5 verbaut hat, benötigt dieser eine Stärkere Lüftung als der kleine Bruder mit Atom Prozessor. In Folge dessen sind 4 Lüftungsöffnungen in der Rückseite und auch eine Seite ist mit einer Lüftungsöffnung durchlöchert. Im Betrieb als Tablett gibt es nur eine Position, in der man das Gerät Hochkant halten kann, damit man mit der Hand nicht den Lüfter verdeckt und den Windows-Knopf in Reichweite hat. Mir ist klar, dass dieses Design dem Prozessor geschuldet ist, dennoch frage ich mich, ob eine andere Anordnung der Lüftungsöffnungen nicht auch möglich gewesen wäre.

Was ich übrigens heftig vermisse, ist die Liste der letzten Anwendungen bzw. geöffneten Dateien. Dieses Menü war in Windows 7 noch über das Startmenü zu finden. Ein kleiner Trost ist allerdings die Funktion, die Historie der letzten Dokumente aus der Verknüpfung in der Taskleiste  via rechter Maustaste aufzurufen. Diese Funktion reicht aber nicht an die alten Möglichkeiten heran.

Anderseits habe ich ein etwa DinA4 großes Gerät, das leicht in der Hand liegt, FullHD Videos abspielt, USB 3.0 bietet und mich in der Visiten Situation zumindest halbwegs unterstützt. Da ich mir im Moment kein alternatives Design vorstellen kann, bleibt der Samsung Ativ Pro mein Hauptgerät. Mein ASUS R1F werde ich allerdings noch eine Weile als Zweitgerät behalten, alleine schon deshalb, weil ich es mit Windows 7 um fehlende Funktionalitäten ergänzen kann, wie z.B. Scannersupport meines Brother Druckers.

2 Gedanken zu „Das Samsung ATIV PRO Tablett

  1. Hallo GwidionR,

    ganz herzlichen Dank für deinen schönen Gastbeitrag! Ich hoffe, es war nicht dein letzter! Natürlich würde mich freuen, wenn sich dadurch noch weitere Gastautoren ermuntert fühlen, auf meinem Blog etwas zu posten.

    Interessant finde ich dein Einsatzgebeit für das Samsung ATIV. Bei meinem Arbeitgeber war ursprünglich mal was ähnliches geplant – ein mobiles Gerät für Psychologen für Notizen und Datenbankabfragen während des Patientengesprächs. Aber den Testpersonen war das Samsung Tablet viel zu schwer, der maximale Neigungswinkel mit angedockter Tastatur zu gering, wodurch die Lesbarkeit stark eingeschränkt wurde und es störte, dass das Gerät an sich keinen stabilen Stand hatte. Womit sie überhaupt nicht klar kamen, war die Windows 8-Oberfläche.

    Na ja, bin mal auf Windows 9 gespannt… :-)

    Viele Grüße
    Skybert

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