Tortur: Einscannen von 5.100 Dias

Schon seit Jahren schlummerten bei uns im Keller diese 120 Dia-Magazine mit über 5.100 Dias aus meiner Jugend und frühen Erwachsenenzeit. Erinnerungen aus 12 Lebensjahren von 1979 bis 1991!

120 Dia-Magazine aus 12 Lebensjahren.

120 Dia-Magazine aus 12 Lebensjahren.

Schon lange trug ich mich mit dem Gedanken, diese Dias doch endlich mal einzuscannen und zu digitalisieren. Aber die Vorahnung, dass das mit einer Heidenarbeit verbunden sein könnte, ließ mich dieses Vorhaben immer wieder vor mir herschieben. Bis ich Ende Januar 2014 beim Surfen zufällig bei ebay über einige Kauf- und Miet-Angebote von Diascannern stolperte. Bei fast allen Angeboten handelte es sich um Geräte der Marke reflecta und den Modellen DigitDia 4000, 5000 oder 6000. Bei diesen kann man komplette Magazine wie bei einem normalen Diaprojektor einschieben und mehr oder weniger unbeaufsichtigt einscannen lassen.

Diascanner reflecta DigiDigit 6000

Diascanner reflecta DigitDia 6000

Anfangs schwankte ich noch zwischen Kauf und Miete. Kaufen war mir aber für diese 1-malige Aktion dann doch zu teuer: Neugeräte liegen um die 1.500 € und selbst für Gebrauchtgeräte muss man noch ca. 700 – 900 € auf den Tisch legen. Also schlug ich letztendlich bei einem der Mietangebote des Verkäufers ringfoto-schattner zu. Für das derzeit neueste reflecta-Modell DigitDia 6000 betrug die Miete für 11 Tage 129,- €. Hinzu kam noch eine Kaution von 200,- €.

Am frühen Mittwochmorgen, dem 29.1.2014, klickte ich auf den ebay-Kaufenbutton. Die Miete über 129,- € bezahlte ich direkt danach über paypal. Wenige Stunden später kam eine weitere E-Mail mit der Bitte, auch die Kaution von 200,-€ über paypal zu begleichen. Auch das erledigte ich umgehend. Am frühen Abend erhielt ich dann prompt die Versandbestätigung mit dhl-Sendungsverfolgungsnummer. Bereits am nächsten Tag, Donnerstagabend 30.1.2014, konnte ich das Paket in der Postfiliale abholen. Ursprünglich war die Lieferung an meine Packstation geplant, aber dhl leitete aus mir nicht bekannten Gründen das Paket an die Postfiliale um. Dieser Liefertag war bereits Tag 1 der 11-tägigen Miete!

Gleich ausgepackt, die Software CyberView X5 nicht von der beiliegenden CD, sondern die aktuellste Version frisch von der Downloadseite des Herstellers reflecta heruntergeladen und auf meinem MacBook Pro installiert. Die Software gibt es sowohl für Windows als auch für Mac OS X.

Diascanner-Software "CyberView X5"

Diascanner-Software „CyberView X5“ unter Mac OS X Mavericks. Die Oberfläche und die Bedienung sind unter Windows identisch.

Kurz die Bedienungsanleitung überflogen und das erste Magazin eingeschoben. Was nun folgte, war erst mal ein Horrortrip von Hard- und Software-Problemen. Mal wurde das erste Dia nicht richtig erfasst, mal verhaspelte sich der Diaschieber, mal hängte sich einfach die Software auf. Irgendwann machte das Gerät gar nichts mehr. Nun installierte ich die Software auf einem meiner Windows-Rechner. Doch auch hier die gleichen Probleme! In meiner Verzweiflung schrieb ich eine Mail an den Verkäufer Ringfoto Schattner. Tatsächlich kam gegen 23:00 Uhr noch eine Antwort! Es wurde mir empfohlen, sowohl den Virenscanner als auch die Firewall zu deaktivieren. An diesem Abend hatte ich aber erst mal die Faxen dicke und ging entnervt ins Bett.

Am nächsten Morgen, dem Tag 2, machte ich einen erneuten Versuch gleich nach dem Aufstehen. Diesmal aber wieder am Mac. Denn dort hatte ich gar keinen Virenscanner und so musste ich nur die Firewall abschalten. Oh Wunder! Nun lief das erste Magazin relativ problemlos durch! Allerdings wurde mir nun bewusst, dass das Einscannen eine ziemlich zeitraubende Angelegenheit werden würde. Unter Beibehaltung der Standardauflösung von 1000 dpi benötigt der Scanner ca. knapp 2 Minuten um 1 Dia einzuscannen und als ca. 1 MB-große jpg-Datei abzuspeichern! 1 Magazin mit 50 Dias braucht demnach ca. 100 Minuten, also fast 1 3/4 Stunden! Ich legte noch ein weiteres Magazin ein und ging dann zur Arbeit. Als ich am Nachmttag wieder zu Hause war, musste ich leider feststellen, dass das Magazin nur etwa bis zur Hälfte durchlief und dann stehen blieb. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass man nach dem Einlegen eines neuen Magazins, erstmal in der Software ein Symbol zum Zurücksetzen der Anfangsposition anklicken musste. Danach konnte man dann den Multiscan starten und die Nummern der einzuscannenden Dias angeben. Danach startete der Vorgang korrekt und relativ problemlos. Dies habe ich aber erst durch zeitraubendes Recherchieren in diversen Foren herausgefunden. Und die Zeit lief! Schon Tag 2 war fast um und ich hatte gerade mal 1 1/2 Magazine von 120 eingescannt!

So hat’s dann doch noch ganz gut geklappt:

  1. Diaschieber ins Gerät schieben.
  2. Magazin bis zum Anschlag am Schieber einschieben.
  3. Symbol „Magazin neu laden“ klicken.
    Magazin neu laden
  4. Symbol „Multiscan in Datei…“ klicken.
    Multiscan in Datei...
  5. Bereich der zu scannenden Dias angeben, z.B. „1-50“.
    Bereich angeben
  6. Der Scanvorgang startet.
    Scanvorgang

Ein erfolgreicher Scanvorgang eines Dias läuft dann so ab:

Hier sieht (und hört) man den Scanvorgang am Gerät selbst:

Und so hört sich das herrliche Geräusch an, wenn ein Dia beim Einziehen hängen bleibt:

Von nun an bestimmte der Diascanner meinen Tagesablauf. Inzwischen hatte ich auch raus, wie ich das Diamagazin einschieben musste, so dass das erste Dia richtig eingezogen wurde. Mein iPhone-Wecker stellte ich auf jeweils 100 Minuten ein, um immer wieder rechtzeitig zum Magazinwechsel am Scanner zu sein. Selbst die Schlafunterbrechungen in der Nacht wurden dazu genutzt, um ein neues Magazin einzulegen. Morgens packte ich das Gerät zusammen und nahm es samt MacBook Pro mit zur Arbeit. Hier ratterte es Stunde um Stunde weiter.

Selbstverständlich gab es immer mal wieder einen Diastau oder die Software hängte sich einfach auf. Aber inzwischen konnte mich nichts mehr erschüttern. Nachdem ich den Scanner aus- und einschaltete und den nervigen Initialisierungsvorgang abwartete, die Software neu startete, ging es dann meist wieder weiter.

So ging es die ganze Woche durch, fast rund um die Uhr. Der 10. Miettag war ein Samstag. Bis 12:00 Uhr hätte ich das Paket zur Post bringen müssen, länger hat unsere Filiale hier samstags nicht auf, um es rechtzeitig an den Händler zurückzuschicken. Aber es waren noch ca. 25 Magazine übrig. Also schrieb ich Ringfoto Schattner an, ob ich die Mietzeit noch ein paar Tage verlängern könne, bis ich mit allen Dias fertig sei. Auch auf diese E-Mail wurde mir umgehend geantwortet und dass ich es solange behalten könnte, wie ich es brauchte. Die Mehrtage von je 7,99 € würden mit meiner Kaution verrechnet.

An diesem Wochenende lief es wie geschmiert! Am Montagmorgen, um 6:30 Uhr, war das letzte Dia digitalisiert. In den nun zurückliegenden 13 Tagen habe ich 5.172 Dias eingescannt und die Tortur war zu Ende! Welch ein Glücksgefühl! Flugs noch das Gerät wieder eingepackt, mit zur Arbeit genommen und in der Mittagspause bei der örtlichen Postfiliale mit dem von Ringfoto Schattner vorbereiteten, für mich kostenlosen, Rücksendeschein abgegeben.

Das Paket wurde schon am Dienstag beim Empfänger angeliefert. Bereits am Tag darauf, Mittwoch, wurde via paypal meinem Kreditkartenkonto die Kaution abzüglich 2 zusätzlicher Miettage wieder gut geschrieben. Ich kann also sagen, dass die Kommunikation mit und die Abwicklung von Ringfoto Schattner ausgezeichnet war!

Meine Festplatte ist nun um gute 5 GB und über 5.100 jpg-Dateien voller geworden. Und ich um 145 € ärmer, aber um 5.172 Erinnerungen reicher!

Nun haben die Dias ausgedient und können auf den Müll:

5.172 Dias für den Müll.

5.172 Dias für den Müll.

Auch der Platz im Keller ist nun endlich wieder frei. Die leeren Diaboxen konnte ich zwischenzeitlich über ebay Kleinanzeigen verschenken. Ein Pfadfinderbund aus dem hiesigen Raum wird sie einer weiteren Verwendung zuführen. Braucht noch jemand Dia-Equipment? Hier biete ich meines zum Verkauf an:

Boa, und da kommen Bilder zutage… Ich war tatsächlich mal schlank! Hier der Beweis:

18.8.1980 - schlank und rank!

18.8.1980 – schlank und rank!

7 Gedanken zu „Tortur: Einscannen von 5.100 Dias

  1. Also, ich finde die Qualität eigentlich ganz gut. Dass das Beispiel so schlecht ist, liegt höchstwahrscheinlich an der Kamera. Das war damals so eine billige Knipse mit einem Kassettenfilm.
    Hatte schon mal von Pearl so einen kleinen Dia-Scanner. Das war qualitativ die reinste Katastrophe.Wurde nur „abfotografiert“, nicht eingescannt.

  2. Also die Diascanner von Digitdia sind eigentlich recht gut, aber sehr langsam. Die Profiklasse sind die Diascanner von Nikon. Die scannen Dias bis zu 4000 dpi mit einer hervorragenden Pixeldichte. Der Coolscan 5000 kann auch mit einem Slidefeeder betrieben werden. Da gehen die Dias durch wie nix – 30 sec pro Dia und dann auch noch Staub- und Kratzerentfernung mit ICE…..

  3. Wir haben auch noch einige Kisten alter Dias. Werde die aber irgendwann mal an dunklen Winterabenden mit der Digi-Knipse von der Dia-Leinwand abfotografieren.
    Unsere Papierbilder habe ich mittlerweile fast alle durch den Einzug-Scanner (ScanSnap1500) gejagt. Wirklich Klasse,welche Schätzchen da wieder aus der Versenkung kommen.

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